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Kintsugi Reparaturarchiv: Die Amazone und der Troll

  • Autorenbild: Eva Lenz-Collier
    Eva Lenz-Collier
  • 25. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

In den Anfangszeiten meiner Kintsugi-Schaffenslaufbahn waren es in erster Linie Freunde und Bekannte, deren zerbrochene Lieblingsstücke in meiner Werkstatt landeten. Neben Vasen, Schalen und Bechern auch zwei Skulpturen, deren Reparatur mir viel Freude bereitete.


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Die Amazone


Die Besitzerin dieses Stückes ist eine sehr langjährige Freundin von mir. Ihr Partner ist von Beruf freischaffender Fotograf, mit dem ich während meiner 20 jährigen Laufbahn als Grafikerin einige Projekte zusammen gestemmt habe. So kämpferisch wie die reitende Kriegerin ist auch ihre Besitzerin, daher schmerzte es umso mehr, als dem Fotografen das kostbare Stück herunterfiel. Die Scherben wurden aufgehoben in der Hoffnung, sie irgendwann reparieren zu können - auch wenn ein paar von ihnen verschollen gingen.


Als ich mich mit dem Kintsugi-Atelier selbständig machte, war der Fotograf meine erste Anlaufstelle für ein professionelles Fotoshooting, und wir einigten uns darauf, dass ich als Gegenleistung der Amazone wieder zu neuem Glanz verhelfen sollte.



An einem solchen Stück zu arbeiten, das neben emotionalem Wert auch eine besondere Symbolik besitzt, war mir eine besondere Freude, und die Besitzerin, die schon nicht mehr mit einer Reparatur gerechnet hatte, ist bis heute sehr glücklich.


Trolli


Als die Mutter eines guten Freundes mich anrief und meinte "Meine Schwiegertochter hat gesagt, du könntest dich vielleicht um Trolli kümmern" wusste ich erst einmal nicht, warum es hier ging. Es dauert auch etwas, bis klar wurde, dass es sich bei "Trolli" um eine Keramikskulptur handelte, die einen Troll darstellte - in der nordischen Mythenwelt wohlbekannte Figuren, die in der Natur hausen und den Menschen sowohl gutes als auch schlechtes zufügen. Trolli war, wie mir versichert wurde, gutartig und der Familientroll meines Freundes.



Die Skulptur, die auch als Kerzenständer diente, ist ca. 100 Jahre alt und im Besitz der Familie, die in Teilen aus dem schwedischen Raum stammt. Dort hat Trolli auch seinen Ursprung: in der Form liegen Formen des Jugendstils, vermischt mit den pittoresken Darstellungen der geliebten Naturwesen. Im 2. Weltkrieg wurde die Figur während der Bombenangriffe beschädigt und in den 1960ern von einem Onkel liebevoll mit Gips wieder repariert.


Die Arbeit an Trolli dauerte sehr lange, da ich die Reparaturen erst einmal wieder rückgängig machen musste. Glücklicherweise ließ sich der Gips leicht lösen, und dann begann der lange Prozess der Kintsugi Reparatur, bei der größere Teile auch mit Füllmasse ersetzt werden mussten. Als Veredelung entschied sich die Familie für Messing, was mit der Zeit anlaufen würde - die Patina, die sich mit der Zeit bilden wird, passt zu dem natürlich Gewachsenen des geliebten Haustrolls.



Wenn Sie eigene Stücke haben, die Sie reparieren lassen möchten, finden Sie im Bereich "Reparatur" ein Kontaktformular.


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